Impfung bei Hunden Teil 2

Impfung bei Hunden Teil 2

Teil 2: Für Fortgeschrittene

Im zweiten Teil unserer Impfserie erklären wir, wie oft Wiederholungsimpfungen gegeben werden sollten und welche gesundheitlichen Risiken durch die Impfung bestehen.

Wie oft sollten Wiederholungsimpfungen gegeben werden?

Die Impfstoffhersteller sind gesetzlich verpflichtet die Sicherheit und Effektivität ihrer Impfstoffe darzulegen, um eine Zulassung zu bekommen. Das bedeutet, dass sie im Tierversuch zeigen müssen, ob und welche unerwünschten Wirkungen (= Nebenwirkungen) beobachtet werden und dass ein Impfschutz besteht. Langzeitversuche sind nicht nur teuer, sie sind auch für die Versuchstiere belastender. Daher besteht höchstwahrscheinlich eine längere Immunität bei einem geimpften Hund, als auf der Packungsbeilage angegeben ist. Dies ist auch ausdrücklich in den Leitlinien der StIKo Vet erwähnt. Dafür kann allerdings niemand garantieren und der Tierarzt würde persönlich für Schäden am Tier haften, wenn er Ihnen ein längeres Impfintervall empfiehlt, als der Hersteller vorgibt. Auf eigene Verantwortung können Sie allerdings das Intervall länger wählen, sollten dies allerdings erst nach sorgfältiger Recherche aktueller medizinischer Publikationen tun. Viele „Aufklärungs-Websites“ machen Stimmung gegen Impfungen mit veralteten und / oder falschen Aussagen. Im Zweifel wird empfohlen, sich an den Leitlinien der StIKo Vet zu orientieren, diese sind von Pharmafirmen unabhängig.

Gesundheitliche Risiken

Man kennt es von seinen eigenen Impfungen: manchmal ist man danach ein paar Tage schlapp. Dies ist die häufigste unerwünschte Wirkung beim Impfen und darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem anfängt zu arbeiten. Nicht bei jedem Impfstoff bzw. bei jedem Hund ist diese Reaktion gleich stark und sie ist ein Stück weit auch von der Tagesform abhängig. Jeder Impfstoff muss kritisch hinterfragt werden: Stehen die potenziellen Risiken und der Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis? Für die sogenannten Core-Impfungen trifft dies zu, denn von diesen Krankheiten geht eine massive Gefahr aus.

Grundsätzlich kommen vereinzelt auch schwerwiegende Impfreaktionen vor, die aber in der Regel nur kurzzeitig auftreten. Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht regelmäßig Berichte (LINK: https://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit/veterinaermedizin/publikationen/publikationen-node.html)  über die Sicherheit von Tierarzneimitteln. Impfstoffe gegen Leptospiren mit mehr als 2 Serovaren haben dabei einen höheren Anteil unerwünschter Reaktionen. Allerdings geht gerade von den neu aufgenommenen Serovaren eine erhöhte Gefahr aus – nicht nur für den Hund. Die Leptospiren, bakterielle Erreger, können auch den Menschen infizieren und schwere Organschäden hervorrufen. Aufgrund der großen Gefahr, die von dieser Krankheit ausgeht, wird daher eine Impfung dringend empfohlen (s. auch Stellungnahme der StIKo Vet: LINK: https://www.fli.de/fileadmin/FLI/Service/StIKoVet/Stellungnahme_Leptospirose_Aktualisierung_2016-09-12.pdf).

Man sollte für die Tage nach der Impfung entsprechend nur wenige Aktivitäten planen und seinem Hund etwas Ruhe gönnen. Das ist allerdings immer eine gute Idee, nicht nur bei potenziell belastenden Impfungen. Wie in Teil 1 unserer Impfserie beschrieben, gab es im Jahr 2015 nur 301 Meldungen zu unerwünschten Wirkungen nach einer Impfung bei Hunden. Dazu zählen auch Symptome wie Juckreiz, Erbrechen und Durchfall oder Schmerzen an der Injektionsstelle. Man sollte sich vor allem nicht verrückt machen lassen von Horrorgeschichten nach dem Impfen. Es gab sicherlich schon Hunde, die nach einer Impfung gestorben sind. So wie bestimmt auch Menschen wegen des Sicherheitsgurtes bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Auf der anderen Seite sind sehr viel mehr Leben gerettet worden, weil ein Sicherheitsgurt angelegt wurde, bzw. weil gegen vermeidbare Krankheiten geimpft wurde.

Was sind Adjuvantien?

Adjuvantien sind Impf-Hilfsstoffe. Es handelt sich dabei um Stoffe, die die Wirkung des Impfstoffes verbessern, indem sie einen lokalen Reiz an der Injektionsstelle setzen, der das Immunsystem besonders anlockt. Dadurch minimieren sie die notwendige Dosis des Erregers oder rufen eine stärkere oder länger dauernde Immunität hervor. In einigen Fällen aktivieren sie auch bestimmte Komponenten des Immunsystems, je nach gewünschter Wirkung. Bei Hundeimpfstoffen wird nahezu ausschließlich Aluminiumhydroxid als Adjuvans eingesetzt. Die eingesetzte Menge ist dabei sehr gering. Es gibt schon länger Bestrebungen, adjuvansfreie Impfstoffe herzustellen, dies ist aber eine besondere Herausforderung, denn niemand möchte jeden Monat mit seinem Hund zum Impfen gehen. Deswegen enthalten viele Impfstoffe noch Adjuvantien, manche Hersteller haben aber schon Impfstoffe ohne entwickelt. Eine Übersicht über alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gibt es beim Paul-Ehrlich-Institut (LINK: https://www.pei.de/DE/arzneimittel/tierarzneimittel/hunde/hunde-node.html).

Thiomersal wird in manchen Impfstoffen als Konservierungsmittel eingesetzt. Thiomersal ist eine Quecksilberverbindung und zieht dadurch Sorge über gesundheitliche Beeinträchtigungen auf sich. Die Mengen sind allerdings so gering, dass die Aufnahme über die Nahrung deutlich höher ist: schon mit einer Portion Fisch hat man dieselbe Menge Quecksilber aufgenommen. Da die technische Entwicklung fortschreitet ist es mittlerweile möglich, Impfstoffe ohne Thiomersal herzustellen. Ob es enthalten ist, kann in der Gebrauchsinformation des Impfstoffes nachgeschaut werden. Es gibt bis heute keine belastbaren Hinweise auf eine Schädlichkeit, wie dies von Impfgegnern propagiert wird. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die schwerer wiegt als eine mögliche Infektion, ist nahezu ausgeschlossen.

Dieser Artikel wurde von unserer Tierärztin verfasst, um Sie bestmöglich und fachlich akkurat zu informieren.

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